Das 2000 Dollar Geschenk von Google TV Ads



So soll es aussehen: bunt und effektiv. Dynamische Musik untermalt diesen Google Werbespot und jagt die Idee von TV Werbung über Google durch so manch einen Advertiser-Kopf. Reichweite! – mag da der ein oder andere laut ausrufen. Endlich handfeste Messbarkeit – lautet dabei der Kanon. Im Chor wird dann gemeinsam gesungen: Google TV Ads. Was nach Riesengetöse klingt, ist eher noch bescheiden und kann sich als sehr leise herausstellen. Und damit das aber stark und laut werden kann, schenkt Google jedem Advertiser, der Google TV Ads ausprobiert 2000 Dollar für den ersten Spot. Daran sind jedoch ein paar Bedingungen geknüpft:

1. Der Spot muss bis zum 30.06.2008 fertiggestellt und bereits platziert sein
2. Pro Woche muss ein Werbebudget von mindestens 2000 Dollar ausgegeben werden
3. Das Ganze muss 4 Wochen laufen

Erst, wenn diese drei Punkte erfüllt sind, erstattet Google 2000 Dollar zurück. Klingt im ersten Moment also prima, später dann eher ernüchternd. Aber, was erhalte ich eigentlich tatsächlich dafür? Vielleicht lohnt es sich ja sogar? Schauen wir uns das mal an:

Werbung muss naürlich wahrgenommen werden. TV Werbung unterliegt dabei bestimmten aber einfachen Regeln: ZOFL, d.h. Zeit, Ort, Form, Länge. Regeln, die sich natürlich alle manipulieren und ändern lassen. Das ist der Vorteil von Agenturen. Sie verhandeln mit den TV Sendern. Ändern dabei die Zeit, den Ort usw. Das Ganze ist im Endeffekt dann eine Frage des Preises. Wobei TV Sender längst nicht alles zeigen, was bereit ist viel Geld zu bezahlen. Denn TV Werbung wird auch als Unterhaltung verstanden. Schlechte Werbung ist dabei, wie jedes schlechte Programm, ein Grund wegzuzappen. Das soll verhindert werden.

Wem ist noch nicht aufgefallen, wie sehr sich Werbung zu bestimmten Tageszeiten unterscheidet? Zielgruppe ist hier das Zauberwort und wirklich Hexerei. Denn, die versprochene genaue Messbarkeit kaum zu erreichen. Alle Zahlen zum Fernseh-Konsum sind Schätzungen. Die sogenannte Quote wird beispielsweise nur repräsentativ erhoben. Grundlage: 10.000 ausgewählte Haushalte, die nur einen Querschnitt darstellen und von dem abgeleitet wird. Das Maggi’s Tütensuppen vor allem im Nachmittagsprogramm von Serien, Ratgebern und Talk-Shows so viel Aufmerksamkeit brauchen, hat nicht mehr viel mit der Zielgruppe zu tun. Es geht um Aufmerksamkeitsspannen und Anspruch. Wer sich zum hundersten Mal das Schicksal von Hausfrau Bärbel aus Bottrop anschauen kann, der ist auch bereit schlechte Nudelsuppenwerbung durchzustehen. Wegzapp-Gefahr dabei im Rahmen also Werbeplatz verkauft.

Der Werbeplatz ist natürlich entscheidend. Wo wird mein Spot gezeigt? Was kann Google hier bieten?
Tja. In Deutschland bisher gar nichts. Google TV Ads ist für den US Markt gedacht. Auf Google Ads bei NBC zur Prime Time muss beispielsweise auch verzichtet werden. Stattdessen gibt es das Echostar Dish Network mit seinen ca. 14.000 Kabelstationen. Meist Regionalsender, die dann KBHRRSTVRRS oderso heißen und ein ganzes Reporterteam mit Ü-Wagen losschicken, weil Tante Myrtel Jesus in ihrem Toast erschienen ist.

Ein Jahr lang hat Google sein neues Projekt getestet und kommt jetzt in die Phase, das Vertrauen der Sender gewinnen zu müssen. Harte Konkurrenz steht ihnen da bevor. Google muss mit seinen TV Ads attraktiver sein als jahrzentelang gefestigte Agenturen, die beispielsweise Ogilvy heißen. Selbstverständlich sucht Google daher gerade nach Sales Mitarbeitern für TV Advertising. Das Niveau der Ads liegt da wohl eher bei lokaler Kinowerbung. Was jedoch abhängig von dem Spot und der produzierenden Agentur ist. Da ist Qualität zu einem guten Preis gefragt und so bietet Google den Ad Creation Marketplace. Eine Plattform, die Advertiser mit ausgewählten Agenturen, bzw. Dienstleistern verbindet. Das, ehrlich gesagt, ist der interessantere Part. Denn, wie ein solcher Spot produziert werden kann, was er kostet und wie er aussehen soll, wissen die wenigsten. Gute Unterstützung ist dabei dringend notwendig. Das Video Marketing funktionieren kann, beweist wiedereinmal das Internet hier in Verbindung mit TV. Spots können prima parallel laufen, online und offline. Bestimmte Sender, die auch ein Online Portal haben, gehen so vor.

Interessante Konkurrenz hat Google aber jetzt schon, denn so neu ist ihr Konzept nicht: Cheap TV Spots setzt das schon seit ca. 4 Jahren um. Ihr Portfolio umfasst dabei schon ABC, NBC, HBO usw. also die ganz großen TV Sender

Google präsentiert trotzdem ein ausführliches Produkt-Demo zu Google TV Ads, was ein bischen unterhaltsamer ist als das online AdWords Helpcenter zu TV Ads.

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